
Wo sich Natur, Meer und Geschichte begegnen
Alonissos darf mit Recht stolz sein auf seinen Meeresnationalpark Alonissos – Nördliche Sporaden. Er ist das größte Meeresschutzgebiet Europas und umfasst nicht nur die Hauptinsel selbst, sondern auch die kleinen, unbewohnten Inseln im Norden und Osten der Region. Ziel ist es, die fragile Balance dieser einzigartigen Natur zu bewahren – vom bedrohten Mönchsrobbenbestand bis zu den seltenen Seevögeln – und den Tourismus so zu gestalten, dass auch kommende Generationen diese Schönheit noch erleben können.
Wer die kristallklaren Gewässer rund um Alonissos erkundet, versteht rasch, weshalb dieses Eiland ein Sehnsuchtsort für Naturliebhaber ist. Auf Bootsausflügen begleiten oft Delfine die Fahrt, am Himmel zieht der elegante Eleonorenfalke seine Kreise – und von den Klippen aus beobachten Ziegen mit stoischer Ruhe das Geschehen auf dem Meer.
Beliebte Touren führen zur Nachbarinsel Peristera, zum Kloster auf Kyra Panagia oder zu den entlegenen Inseln Yioura, Psathoura und Skantzoura. Die Routen variieren jedes Jahr, sodass selbst Stammgäste immer neue Facetten der Inselwelt entdecken. Viele Jahre schon fährt Captain Pakis mit seinem Boot „Gorgona“ und unterhält seine Gäste an Bord mit vielen Geschichten und Mythen rund um Alonissos. Ebenso legendär ist die Fahrt mit Giorgos und Dimitris Malamatenios auf ihrem traditionellen Fischerboot „Agios Nikolaos“ – ob bei einer romantischen Sunset-Tour oder einem Ausflug zum Fischen. Wer seine maritime Entdeckungstour plant, findet in den Agenturen von Patitiri die besten Ansprechpartner.
Spuren der Antike
Zurück an Land offenbart Alonissos sein bescheidenes archäologisches Erbe. Am Strand von Tsoukalia finden sich die Überreste einer antiken Amphorenwerkstatt, deren Scherben bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. datieren. Ikos (heute Alonissos) war in der Antike für umfangreichen Weinanbau und Weinproduktion bekannt und Amphoren wurden in antiken Städten des Schwarzen Meeres, in Athen, Pelia und Alexandria gefunden und zeugen von der Bedeutung der Insel. Die auf den Amphoren gefundenen Inschriften "IKION" bedeuten, dass der Wein aus "IKOS" stammte. Der Name des Hafens Patitiri erinnert bis heute an diese Tradition: Er leitet sich vom "Patitirion", dem Ort an dem Trauben gepresst wurde, ab.
Auch auf der Landzunge Kokkinokastro – dem „Roten Kastro“ – finden sich Spuren der antiken Siedlung Ikos. Besonders bei Sonnenuntergang, wenn das Gestein in leuchtendes Orange taucht, entfaltet dieser Ort eine fast mystische Atmosphäre. Die Spitze des Vorgebirges, auf der sich die Überreste der Siedlung befinden, mit ihren steilen Meeresklippen, ist durch eine hohe, hauchdünne Landenge aus erodierendem Sandstein befestigt, die praktisch jeden Zugang zu Fuß verwehrt.
Kirchen und Kapellen
Über die Insel verstreut liegen kleine, oft unscheinbare Kirchen: Profitis Ilias, Panagia sto Vouno, Agios Konstantinos oder Agios Yorgos. Besonders lohnend ist der Spaziergang zu den Agii Anargyri-Kapellen: Durch einen Kiefernwald führt der Weg zu einer byzantinischen Kirche und ihrem jüngeren Gegenstück, das nach dem Erdbeben von 1965 errichtet wurde. Von hier aus öffnet sich der Blick über das smaragdfarbene Meer – ein Ort, an dem Stille und Weite ineinanderfließen.
Zwischen engen Gassen und weißen Häusern im Alten Dorf Chora finden sich zahlreiche Kirchlein, etwa die Kirche der Geburt Christi und Agios Athanasios aus dem 17. Jahrhundert an der Plateia oder die im Kastro verborgene Agios Giorgios, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Ähnlich wie bei den anderen Kirchen auf der Insel werden diese hauptsächlich an den Namenstagen ihrer Schutzheiligen genutzt. Wenn Sie die Gelegenheit haben, das Dorf oder die Insel an einem solchen Feiertag zu besuchen, können Sie Zeuge von religiösen Feierlichkeiten und traditionellen Festen werden.
Landwirtschaftliches Erbe
Unterhalb der Chora, an der Straße nach Patitiri, erinnern die alten Dreschkreise an die landwirtschaftliche Vergangenheit der Insel. Die Plätze, die noch bis in die späten 1970er Jahre genutzt wurden, erinnern an das ländliche Erbe. Auf Alonissos, wie auch in vielen anderen Teilen Griechenlands, wurden sie traditionell genutzt, um Getreide von den Ähren zu trennen.
Zwei weitere Dreschkreise gibt es an der Straße zum Friedhof und den Parkplätzen.
Unterwasserwunder
Doch das wahre Juwel der Insel liegt unter der Wasseroberfläche: das erste Unterwassermuseum Griechenlands, auch bekannt als das „Parthenon der Schiffswracks“. Ein großes Handelsschiff aus dem Jahr 425 v. Chr., möglicherweise aus Athen stammend, kenterte mit einer Ladung Wein in Amphoren aus der Stadt Mendi auf Chalkidiki, die im Altertum für ihren Wein bekannt war. Fortgeschrittene Taucher können durch die Tausenden von Amphoren, die den Meeresboden in 28 Meter Tiefe bedecken, noch immer die Konturen des riesigen Schiffs erkennen, das als eines der bedeutendsten derzeit bekannten antiken Wracks gilt.
Wer lieber an Land bleibt, kann das Wrack auch virtuell erkunden: Im Knowledge Awareness Center im Alten Dorf ermöglicht eine Ausstellung den digitalen Tauchgang in das antike Wrack (geöffnet in der Hauptsaison täglich 10:00–14:00 Uhr und 17:30–21:30 Uhr).
Alonissos ist mehr als nur eine Insel – es ist eine Einladung, Natur, Geschichte und Meer mit allen Sinnen zu erfahren.

