
Hoch oben auf einem Hügel, rund 200 Meter über dem Meer, thront Palio Chorio, das historische Dorf von Alonissos. Von hier aus eröffnet sich ein atemberaubendes Panorama: Der Blick schweift über das tiefblaue Ägäische Meer, das sanft grüne Hinterland der Insel und die schimmernden Konturen der umliegenden Inseln des nördlichen Sporaden-Archipels.
Ein Labyrinth aus engen, gewundenen Gassen und alten Steinstufen zieht sich den Hang hinauf. Überall schmücken blühende Balkone, leuchtend gestrichene Türen und farbenfrohe Fensterläden die Häuser und verleihen dem Ort eine heitere, einladende Atmosphäre. In den Gassen reihen sich Cafés, Tavernen und kleine Läden, die Kunsthandwerk, Schmuck und Souvenirs anbieten, aneinander. Byzantinische Kirchen und Überreste venezianischer Mauern erzählen leise von der langen und bewegten Geschichte des Dorfes.
Das „Alte Dorf“ zeigt im Laufe des Jahres zwei ganz unterschiedliche Gesichter – beide gleichermaßen reizvoll. Im Winter kehrt Ruhe ein: Die wenigen ständigen Bewohner, teilen sich die Nachbarschaft mit 30 Personen. Auf der Platia dösen Hunde und Katzen in der Wintersonne, Zugvögel machen auf ihrer Reise kurz Rast – viel mehr passiert nicht - während die Geschäfte, Tavernen und Bars ihre Türen geschlossen haben. Das geschäftigere Leben verlagert sich dann in den Hafenort Patitiri – bis im Frühling die warme Jahreszeit das alte Dorf wieder zum Leben erweckt.

Wenn der Frühling Einzug hält, erwacht das „Alte Dorf“ in einer besonderen Stimmung des Aufbruchs und der Vorfreude auf die kommende Sommersaison. Die Natur zeigt sich in ihrer ganzen Pracht: zarte Mandel- und Mimosenblüten, das leuchtende Pink der Judasbäume und eine bunte Vielfalt an Frühjahrsblumen wetteifern mit dem letzten winterlichen Weiß auf dem Gipfel des Dirfis auf der Insel Euböa.
Während die Sonne bereits wohlige Wärme spendet und die Landschaft in frischen Farben erstrahlt, gehen die Einheimischen ihren täglichen Arbeiten nach, renovieren Häuser und bereiten sich auf die lebhafte Zeit des Jahres vor. Das Leben verläuft ruhig und gelassen. Milde Temperaturen laden zu ausgedehnten Wanderungen durch die erwachende Natur oder zu stillen Momenten an menschenleeren Stränden ein. Nur wenige Besucher sind zu dieser Jahreszeit im Dorf und fügen sich harmonisch in das beschauliche Alltagsleben ein.
Mit jedem Tag, an dem der Sommer näher rückt, kehrt mehr Leben in das „Alte Dorf“ zurück. Souvenirläden öffnen ihre Türen und präsentieren ihre farbenfrohe Auswahl an Handwerkskunst und kleinen Kostbarkeiten. In den Tavernen werden die Tische ins Freie gestellt – ideal für laue Abende mit köstlichen Speisen und einem Glas Wein unter dem Sternenhimmel. Das Dorf bereitet sich liebevoll darauf vor, seine Gäste willkommen zu heißen. Zunächst sind es nur wenige Reisende, doch mit jedem Sommertag werden es mehr, bis im August das Sommer-Leben seinen Höhepunkt erreicht. Dann steht alles im Zeichen der großen Feier am 15. August: Einheimische und Besucher kommen zusammen, um Mariä Himmelfahrt zu begehen – mit einer feierlichen Prozession, einer nachgestellten traditionellen Hochzeit und ausgelassenem Tanz bis in die frühen Morgenstunden.
Machen Sie sich am späten Nachmittag auf den Weg ins Alte Dorf. Genießen Sie einen Aperitif bei Sonnenuntergang und bleiben Sie für ein Abendessen bei Mondschein. Dann werden Sie verstehen, warum dieser einst verlassene Ort mit so viel Liebe wieder zum Leben erweckt wurde.
